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Tagebuch eines Abschieds
oder die heilsame Reise einer natürlichen Fehlgeburt©

Dem Herzen folgen …
wir müssen nicht den kürzesten Weg nehmen.
Lass uns lieber einen Weg wählen,
den wir gerne gehen würden,
lass uns freundliche Begleiter mitnehmen zum Schwatzen und Lachen,
lass uns wunderbare Pausen einlegen. Jochen Mariss





Vorwort
Während meiner eigenen Reise durch die Zeit einer „Fehl-Geburt" (eine Geburt, an deren Ende etwas fehlt) ist dieser Text entstanden, geboren worden. Eine Art Tagebuch, das ich am Ende mit etwas Fachwissen umrandet habe.
Erst tat es einfach nur gut alles raus zu schreiben und Erinnerungen einzufangen. Doch mit der Zeit wurde mir immer bewusster, dass sich zwar viel getan hat in den letzten Jahren im Umgang mit Themen wie Fehl- und Totgeburt, aber eben noch lange nicht genug und schon gar nicht, wenn es um die Frage geht „Wie natürlich und selbstbestimmt kann und darf eine Fehlgeburt sein?!"
Manche Frauen leiden viele, viele Jahre unsagbar unter dem Verlust ihres Kindes, weil ihnen einfach kein Raum für ihre Trauer und ihre Gefühle gegeben wurde. Weil sie und ihre Kinder nicht wertgeschätzt worden sind.
Viele Frauen fühlen sich einfach allein gelassen. Ja, manchmal sogar „vergewaltigt" durch zu schnell durchgeführte Eingriffe.
Aber sie schweigen. Dabei sind sie nicht allein. Jede dritte Frau durchlebt eine Fehlgeburt, manche sogar mehrere Male.
Wenn wir damit beginnen unsere Geschichten und Erfahrungen zu teilen, hilft es uns selbst zu heilen und es
ermöglicht anderen daraus zu lernen. Nur so kann sich etwas ändern.
Ich berichte hier von meiner ganz persönliche Geschichte, von meinen ganz persönlichen Weg. Er muss nicht für jede Frau richtig sein. Aber es ist ein Weg. Eine Möglichkeit.
Eine Ausschabung kann durchaus sinnvoll und unumgänglich sein. Und es ist auch richtig und verständlich, wenn eine Frau sich bewusst für eine Ausschabung entscheidet.
Ich möchte dennoch alle Frauen dazu ermutigen, auf ihre innere Stimme zu hören und offen darüber zu sprechen, was sie brauchen und sich wünschen. Zudem möchte ich allen Nicht- betroffenen und Wegbegleitern ans Herz legen einfach menschlich zu sein, zu bleiben.
Der Schmerz des Verlustes ist Bürde genug und sollte nicht durch achtloses Verhalten anderer verstärkt werden.
Wir sollten alle achtsam sein im Umgang mit uns selbst und im Umgang mit anderen.



"Mama?! Unser Baby ist doch vom Himmel direkt in deinen Bauch gefallen und dann sind ihm dort Flügel gewachsen und es ist wieder fortgeflogen ..."
(Celia, 4Jahre)

9. November
Ich halte einen positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen.
Überraschung … Freude … Sorge ... Liebe … Glück.
18. November
Ich treffe mich mit meiner Hebamme und lieben Freundin. Sie stellt mir den Mutterpass aus. Auch nach drei Kindern ein erhabener Moment....nun ist es offiziell, schwarz auf weis….in mir wächst ein neues Leben…Stolz trage ich das erste Dokument meines Kindes nach Hause….erheitert von dem Gedanken das sowohl der wertvolle Inhalt meine Bauches, als auch der meiner Tasche für niemanden sichtbar ist….mein kleines kostbares Geheimnis….noch…..
22. November
Ich bin Anfang der siebten Woche und habe meinen ersten Ultraschalltermin beim Frauenarzt.
Eine Fruchthülle, ein erbsengroßes  Wesen, mein Kind … ich fühle mich irgendwie unsicher, aber der Arzt gratuliert mir und versichert mir, dass alles in bester Ordnung und völlig in der Norm sei.
Er verabschiedet mich mit einem Lächeln und den Worten: "Beim nächsten Ultraschall werden wir mehr zu sehen kriegen."
Mein Bauch warnt mich deutlich davor, dass etwas nicht in Ordnung ist, doch mein Kopf widerspricht ihm vehement, zählt Fakten auf. Ich entscheide mich für die Kopfvariante und blende alle Sorgen aus. Alles ist gut! Es war ja immer alles gut!
26. November
Ich werde nie begreifen, wieso heißt es „Morgen"-Übelkeit, wenn sie den ganzen Tag über da ist?!
Mir ist klar das mein Körper auf die Umstellung der Hormone reagiert und das es in der Urzeit bestimmt lebenswichtig war…noch besser zu riechen u zu schmecken um das Kind zu schützen….es ist ein gutes Zeichen und doch…mein übersensibler Geruchssinn grenzt an Folter, mein Magen fährt Achterbahn, meine Brüste spannen ... ich fühle mich … schwanger eben
5. Dezember
Man sagt es bringt Unglück Sachen fürs Kind zu kaufen, solange es noch nicht geboren ist…daran habe ich mich nie gehalten…für jedes meiner Kinder hatte ich eine Schachtel in der sich nach u nach erste kleine Schätze angesammelt haben.
"Heute habe ich Dir Deine ersten Söckchen gekauft und kann es kaum erwarten Deine ersten Tritte zu spüren."
Die Übelkeit setzt mir nach wie vor zu, aber ich tröste mich mit dem Gedanken an den Frühling, an die Zeit, in der Schwangersein einfach nur Spaß macht.
15. Dezember
11. Woche - Mein Mann hat sich freigenommen und wir freuen uns auf den zweiten Ultraschalltermin.
Im Wartezimmer denke ich kurz: „Gleich wirst du erfahren, dass dein Baby tot ist."  Ein sonderbarer Gedanke, schnell schiebe ich ihn wieder zu Seite.
Wenig später werden wir ungewollt Zuhörer eines Gespräches: Eine Frau in der achten Woche bittet um eine Abtreibung. Das Kind wäre nicht geplant und im Juli schon Urlaub gebucht … Reflexartig lege ich schützend die Hand auf meinen Bauch und versichere unserem Kind, dass wir es gegen keinen Urlaub dieser Welt eintauschen würden. Aber so muss jeder seine eigenen Entscheidungen treffen.
Der Arzt untersucht mich und stellt beim Abtasten fest, dass die Gebärmutter sich prächtig entwickelt hat. Ein gutes Zeichen. Meine Hände sind trotzdem feucht, mein Herz rast. In mir breitet sich Unruhe aus, dabei mache ich das hier alles nun wirklich nicht zum ersten Mal.
Mein Mann steht neben mir. Gebannt starre ich auf den Monitor des Ultraschallgeräts. Die Fruchthülle ist wunderbar zu erkennen, aber was ist mit meinem Kind? Wo ist sein flackerndes Herzchen? Ich verschließe die Augen. Mehr brauche ich nicht zu sehen, nicht zu wissen. Der Bauch hat längst den Kopf besiegt. Tränen schießen mir in die Augen. Ich bringe es nicht fertig meinem Mann anzusehen. Der Arzt bittet uns zu einem anderen Ultraschallgerät. Wieder ertrage ich es kaum auf den Bildschirm zu blicken. Ich starre auf den Wandkalender, auf dem ironischerweise steht „Da ist Leben drin".
Ich versuche krampfhaft nicht zu weinen und höre die Gespräche zwischen dem Arzt und meinem Mann nur von sehr weit weg. Ich bin froh, dass mein Mann da ist und ich nicht reden muss. Er ist völlig cool (noch gar nicht angekommen in der Situation) und ich halte mich innerlich daran fest. Mir ist klar, in welchen Routineablauf ich nun ganz automatisch geraten werde. Ich will nur raus hier, nach Hause.
Mein Mann, der mich kennt, erlöst mich aus der Situation. Er schickt mich vor, raus aus der Praxis und regelt den ganzen Papierkram allein.
Zu Hause angekommen versuche ich mich mit dem für heute geplanten Ausmisten des Kellers abzulenken. Ich denke nicht daran in irgendeinem Krankenhaus kalte Routineabläufe über mich ergehen zu lassen, nicht jetzt.
Am Nachmittag macht mein Körper mir mit heftigem, nicht aufhören wollenden Nasenbluten eine klare Ansage. Mein Mann packt mich ins Bett. Versorgt mich mit Tee und Wärmflasche. Und wir beginnen damit, Abschied zu nehmen, von unserem Kind, unseren Plänen, Hoffnungen und der Vorfreude.
Mir wird immer klarer, dass ich in kein Krankenhaus will. Weder heute, noch morgen. Ich will nicht aus-ge-schabt werden. Ich habe drei Kinder geboren, ganz ohne jeden Eingriff, ganz ohne jede Medizin. Ja, sogar ohne Krankenhaus. Ich weiß doch, was mein Körper kann. Was soll diesmal so anderes sein?? Mein Kind hat sich entschieden zu gehen, was sein gutes Recht ist. Damit kann ich umgehen. Damit kann ich meinen Frieden machen, auch wenn ich es so gern kennengelernt hätte. Der Rest ist eine Sache zwischen meinem Körper und mir. Mein Körper sollte die Chance haben zu begreifen, dass er loslassen darf. Man sollte ihm nicht gewaltsam etwas entreißen, das er zu schützen versucht.
Ich bin nicht bereit meine innere Stimme ungehört zur Seite zu legen und fange an zu suchen. Im Internet. In Büchern … und merke schnell, dass es wenig Berichte gibt, die mir weiter helfen.
16. Dezember
Es regnet. Mein Mann hat sich noch einen Tag frei genommen. Ich verbringe die meiste Zeit im Bett. Weine. Habe Nasenbluten. Sehe Fern, ohne wirklich zu wissen, was ich da eigentlich sehe. Lasse die Zeit an mir vorbeiziehen.
Nachmittags bin ich soweit. Wir fahren mit der Hebamme zusammen in die Klinik zum Ultraschall. Diesmal bin ich gefasst und sehe tapfer auf den Monitor. Es ist so klein, so winzig, mein Baby. Es kommt mir ganz verloren in der viel zu großen Fruchthülle vor. Kurz hoffe ich darauf sein Herzchen schlagen zu sehen und muss am Ende über mich selbst schmunzeln.
Sie stirbt eben immer zuletzt, die Hoffnung.
Ich bitte um ein Ultraschallbild und bekomme es auch. Was für ein wertvoller Schatz.
Die diensthabende Ärztin erklärt uns trocken, dies falle eben unter die Kategorie  SHIT HAPPENS und bei vier Schwangerschaften wäre drei zu eins ein Superschnitt (was durchaus sein kann, mich gerade aber nur wenig tröstet). Außerdem würde es mit dem Alter (ich bin gerade 35 geworden und finde mich nicht unbedingt alt) halt immer vorkommen, dass die Natur defektes Erbgut aussortieren muss … Wie schon so oft bin ich dankbar, dass meine Arbeit mir Emotionen zugesteht, ja, dass ich sogar nicht ohne sie arbeiten könnte. Es muss schrecklich sein, so abzustumpfen.
Kaum sitze ich wieder aufrecht, klärt sie mich (ungefragt) über den Ablauf des nun bevorstehenden Eingriffs auf. Schiebt mir Zettel rüber, auf die ich meinen Namen setzen soll. Blut wird mir abgenommen. Dies alles nicht ohne mir zu stecken, dass es schon sehr unverschämt wäre, ihr an einem Freitagnachmittag so viel Arbeit zuzumuten. (Ich werde beim nächsten Mal darauf achten, dass der Tod meines Kindes nicht zu viele Umstände macht.) Zaghaft erhebe ich Einspruch, frage nach Alternativen, bitte um
etwas Zeit; wie ich finde, durchaus sehr freundlich und berechtigt in meiner Situation. Ich bin ja bereit einsichtig zu sein, ich will doch nur verstehen. Ich will doch nur das Bestmögliche für mich aus dieser nun wirklich beschissenen Situation herausschlagen. Das ist doch nicht zu viel verlangt?! Von Herzen gönne ich ihr ihren bestimmt verdienten Feierabend. Frau Doktor hat allerdings weniger Verständnis für uns. Sie ist genervt. Ihr Blick, ihre Stimme lassen es uns deutlich spüren. Sie bleibt dabei, eine Ausschabung ist unumgänglich und alles andere völlig naiv und keiner Diskussion wert.
Sie drängt mich zur Eile, allerdings immer in Betracht des OP-Plans. Das Wochenende steht schließlich vor der Tür und soviel Zeit haben wir dann wohl doch. Am Wochenende ist eben auch in einem OP Wochenende.
Meine Hebamme versucht die Situation zu entschärfen und schlägt einen Kompromiss vor. Ich erkläre mich des lieben Friedens Willen wegen bereit einem OP-Termin für Dienstag zuzustimmen und habe im Gegenzug Samstag, Sonntag und Montag Zeit, meinen Körper die Dinge selbst regeln zu lassen. Wieder will ich einfach nur weg.
Aber bevor ich weg darf, werde ich noch genau aufgeklärt über evtl. Nebenwirkungen und Risiken dieses „kleinen", blind! durchgeführten, Routineeingriffs unter Vollnarkose. Was mir die Sache nicht gerade schmackhafter macht.
Bei der Narkose-Ärztin setze ich eine Regionalanästhesie durch. Ich will wenigstens wach und bei klarem Verstand sein, wenn sie mir mein Kind rausholen. Ich kann mir nicht vorstellen diesen Moment zu "verschlafen".
Je weiter wir uns von der Klinik entfernen, umso besser spüre ich mich wieder selbst. Wir werden sehen, was das Wochenende bringt.
17. Dezember
Ich habe kaum geschlafen. In meinen Träumen bin ich verblutet und überall um mich herum lagen fehlentwickelte und unfertige Embryos achtlos weggeworfen in alten Kücheneimern.
Im Wachen habe ich einfach nur gebetet. Ich habe meinen Körper beschworen, dass er loslässt. Ich habe dagelegen und gehofft, dass sich etwas tut. Immer die Zeit im Nacken, es vor Dienstag schaffen zu müssen. Seit Wochen ist mein Körper auf Festhalten programmiert. Loslassen stand erst für Juli im Programm. Wie soll ich ihn so schnell umprogrammieren?
Mein Mann sagt, er steht hinter mir. Hinter jeder Entscheidung, die ich treffe. Das hilft mir ungemein. Das nimmt mir den Druck, befreit mich von dem Gefühl töricht zu handeln.
Nachdem ich den fehlenden Schlaf nachgeholt habe und mit einer Freundin im Park spazieren war, geht es mir besser.
Egal, wie die Sache ausgeht, ich bin mir sicher, schon jetzt viel gewonnen zu haben. Vor allem Zeit.
18. Dezember
Wir haben draußen eine Kerze angezündet. Ihr Licht hat etwas Tröstendes und wird mich noch lange begleiten.
Den Vormittag habe ich wieder damit verbracht zu recherchieren. Durch meine Arbeit habe ich Kontakte zu Hebammen, Heilpraktikern und Doulas und doch ist es müßig. Mir steht gerade eigentlich gar nicht der Sinn danach. Ich wünschte, es wäre einfach jemand da, der die Sache für mich in die Hand nimmt, der versteht, was ich fühle. Ich frage mich, wie es Frauen gehen muss, die viel unvorbereiteter als ich in diese Situation hineingeraten. Das muss einfach schrecklich sein. Ich sollte mich also nicht beschweren. Die Mühe lohnt sich und ich bin unendlich dankbar für jedes noch so kleine Wort der Unterstützung und des Zuspruchs, das mich erreicht.
Zum  Mittag gibt es Hühnersuppe, die gibt es bei uns immer bei Geburten. Vielleicht hilft es ja.
Aus der Duftlampe strömt der Duft von Geburtsöl.
Und zu trinken gibt es Brennnesseltee. (Brennnessel wird nachgesagt, ein hervorragender Vitamin-K-Lieferant zu sein und er soll die Menge des verfügbaren Hämoglobins erhöhen - beides schützt den Körper vor evtl. zu starken Nachblutungen bei einer Geburt.)
19. Dezember
Ich bin traurig, wütend und hilflos.
Vier Hebammen, vier Frauen die mich verstehen, aber gleichzeitig sagen, es fehlt ihnen an Erfahrung.
Ist mein Wunsch wirklich so ungewöhnlich??
Auch in unserem Umfeld stoße ich nicht immer auf Verständnis.
Bin ich unvernünftig, weil ich die Dinge hinterfrage?
Handle ich unverantwortlich meiner Familie gegenüber, weil ich nicht tue, was anscheinend alle tun?
Ich habe doch nicht vor, ohne Fallschirm aus einem Flugzeug zu springen.  Ich möchte nur nicht unnötig betäubt, beatmet und ausgekratzt werden. Das ist doch kein harmloser Arztbesuch, wir reden hier von einer OP. Einer OP, die evtl. Narben in meiner Gebärmutter hinterlassen könnte. Narben, die eine neue Schwangerschaft erschweren würden. Von den evtl. Narben auf meiner Seele mal ganz abgesehen. Im Krankenhaus werde ich ganz alleine sein, hier habe ich Menschen um mich, die mich lieben. Und was ist mit der Würde?? Aber was erwarte ich von einer Gesellschaft, in der mittlerweile fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt geboren wird, und in der Hebammen um ihre Existenz kämpfen müssen. Um was sollen sich Frauen denn noch berauben lassen? Unser Körper ist dafür gemacht zu gebären. Wenn man ihn nur lässt. Wenn uns Raum gegeben wird Vertrauen zu haben in diese unendliche, ureigene Kraft, die in uns allen
steckt.
Es sollte mich eigentlich nicht berühren oder verletzen, was andere sagen oder denken. Und es ist ja auch nicht neu für mich. Aber gerade tut es schrecklich weh und es nimmt unnötig Kraft.
Dennoch bin ich mir sicher nicht ins Krankenhaus zu wollen und sage den Termin kurzerhand ab.
Ein gutes Gefühl!!
(drei Stunden später...)
Ich könnte heulen vor Glück!  Ich hatte gerade ein wunderbares Gespräch mit einer Hebamme aus dem Geburtshaus. Sie hat mich 100%ig bestärkt in meinem Denken und Fühlen. Und sie geht diesen Weg mit mir, voller Vertrauen. Ich kann nicht in Worte fassen, was mir das bedeutet. Ich bin erleichtert und froh, mir nun weniger Gedanken machen zu müssen. Ich bin froh, mich nicht mehr rechtfertigen zu müssen.
Die Hebamme hat mir nochmals bestätigt, dass kein Leichengift entsteht, da sich das Kind in seinem eigenen geschlossenen Lebensraum befindet und dass, solange ich persönlich keinen Zeitdruck habe, sie auch keinen hat. Aus ihrer Sicht gäbe es nichts, was dagegenspräche, die Dinge einfach von der Natur selbst regeln zu lassen.
Die Spritze für den Rhesusfaktor hat sie da und auch sonst kann ich sie zu jeder Tag- und Nachtzeit erreichen.
20. Dezember
Es hat geschneit.
Die Trauer kommt und geht.
Noch 4 Tage bis Weihnachten. Es fällt mir schwer mich auf die Vorbereitungen zu konzentrieren.
22. Dezember
Noch immer überfallen mich hin und wieder die Übelkeit und der Ekel vor Lebensmitteln. Wenn es  ganz arg ist, dann ist es schwer geduldig zu sein, dann wünsche ich mir endlich zu bluten. Dann wünsche ich mir, dass es vorbei ist. Aber es ist und bleibt für mich einfach wichtig, es alleine und aus eigener Kraft zu schaffen. Ich muss auch in Zukunft wissen, wie mein Körper arbeitet. Ich will ihm vertrauen.
Es gibt so wenig Worte für das, was gerade passiert. Ich bin „schwanger" ohne ein lebendiges Kind bei mir zu tragen. Ich bin in „guter Hoffnung", aber die Definition meiner Hoffnung hat sich geändert. Ich habe eine „Fehlgeburt" ohne einen Fehler gemacht zu haben. Ich habe „mein Kind verloren" und trage es doch noch jeden Tag bei mir.
24. Dezember
Weihnachten.
26. Dezember
Nichts tut sich. Gerade ist es anstrengend. Ich werde unsicher. Stimmen der Angst überlagern meine innere Stimme. Ich kann nicht mal sagen, ob es wirklich meine eigene Angst ist. Ich bin müde. Von Herzen würde ich mir noch immer wünschen, dass mein Körper es alleine schafft, aber er hält so sehr fest. Anscheinend will er unbedingt schwanger sein. Ich will es nicht mehr, nicht so, aber ich stecke fest. Auch die Hebamme macht mir wenig Hoffnung. Sie meint, nach 3 Wochen würde auch sie in der Regel zu einer Ausschabung raten, weil manche Babys es halt nicht alleine schaffen. Sie hat mir 2 Adressen gegeben für ein erneutes Gespräch zum Thema Ausschabung.
Langsam wird es wohl Zeit einen Abschluss zu finden.
Aber muss es gleich eine Kürettage sein?
Es sollte doch einen Weg zwischen schwarz und weiß geben. OK, mein Körper braucht vielleicht ein wenig Hilfestellung, aber reicht nicht auch ein kleiner Anstupser? Oder braucht es einfach nur so lange, wie es eben braucht, auch wenn es anscheinend sehr lange braucht. Aber auch bei „normalen" Schwangerschaften und Geburten braucht es oft Zeit und Geduld, so wie das Leben mit Kindern eben immer Zeit und Geduld braucht. Wieder durchforste ich das Internet. Ich bin immer noch überzeugt, dass der weibliche Körper in der Lage sein müsste selbstständig mit dieser Situation klar zu kommen. In Ländern wie Holland oder Frankreich sollen Frauen nicht ausgeschabt werden. Man verabreicht ihnen ein „Wehen"zäpfchen und lässt die Natur ihren Lauf nehmen. Aber hier in Deutschland fehlt es anscheinend einfach an Erfahrung. Ich könnte schreien!!
28. Dezember
Ich habe einen Bericht entdeckt von einer Frau, deren totes Baby 6 Wochen auf sich hat warten lassen und einen weiteren positiven Bericht über eine natürliche Fehlgeburt. Das bestärkt mich, meinen Weg weiter zu gehen. Aber man findet auch viele Vorurteile, Horrorgeschichten und böse Worte ...
Ich habe mir einen Wehentee nach Ingeborg Stadelmann zusammengestellt und mir Tinkturen nach Susun S. Weed besorgt zur Unterstützung vor und nach der Geburt. Die Übelkeit lässt immer mehr nach und hin und wieder spüre ich einige leichte Übungswellen. Ich habe so langsam das Gefühl, sehr langsam ist mein Körper bereit sich auf den Verlust einzulassen und auch in der Lage auf Stimulation von außen zu reagieren. Selbst wenn der Kopf verstanden hat, was passiert, braucht das Unterbewusstsein eben oft noch ein bisschen länger.
29. Dezember
Meine anderen Kinder haben sehr früh von der Schwangerschaft erfahren. Ich habe keinen Grund gesehen, es ihnen zu verheimlichen und bereue es auch jetzt nicht, ganz im Gegenteil. Das Leben ist nicht immer rosa-rot und ich denke, es macht wenig Sinn Kinder unnötig vor dem Leben beschützen zu wollen. Da sie es meist besser verstehen als wir. Oft können wir viel von ihnen lernen. Sie haben eine sehr offene Art mit Geburt und Tod umzugehen. Und wenn ihnen eine Situation zu viel wird, verlassen sie diese, wenn man sie lässt. Wichtig ist einfach, sie nicht unnötig ins Leere laufen zu lassen. Außerdem sind sie auch viel zu intuitiv, als dass wir ihnen groß etwas vormachen könnten. Das würde sie nur unnötig verunsichern.
Einige Tage, bevor wir erfahren haben, dass unser Baby sich verabschiedet hat, fragte mich meine Große, ob ich traurig wäre, wenn unser Baby in meinem Bauch sterben würde und ich bin ihr im Nachhinein sehr dankbar für dieses Gespräch.
So wie jedes meiner Kinder anders mit der Nachricht umgegangen ist, dass wir ein neues Baby erwarten, so ist auch jeder auf seine Art mit der Nachricht vom Abschied unseres Babys umgegangen. Von Ignorieren bis hin zu wütendem Füssegestampfe. Für meinen Sohn war der Verlust am größten. Für ihn war es besonders wichtig, Antworten auf seine Fragen zu erhalten. Jeder in unserer Familie hat seinen eigenen Rhythmus zu trauern und Abschied zu nehmen. Aber mit jedem hatte ich in den letzten 2 Wochen einen ganz persönlichen, innigen und heilsamen Moment.
Meine Kleinste z. B. hat mich gestern in den Arm genommen und gesagt: "Sei nicht traurig Mama, manchmal dauert es eben kurz und manchmal lange, doch dann schlüpfen sie. Und bis unser Baby geschlüpft ist, könnten wir zusammen eins malen."
1. Januar
Ein neues Jahr. Ein Jahr, das damit beginnt, dass wir unser winziges, totes Kind erwarten. Inzwischen sind 17 Tage vergangen, seit wir vergeblich ein schlagendes Herzchen auf dem Ultraschallmonitor beim Frauenarzt zu sehen hofften. Und wohl noch einige Tage länger, seit unser Kind sich dazu entschlossen hat wieder zu gehen. Ich gehe also davon aus seit mindestens drei oder vier Wochen die leblose, kleine Hülle meines kleinen Babys in mir zu tragen - und es geht mir körperlich gut!! Was meine Theorie bestärkt, dass ich mich nicht in Lebensgefahr befinde. Sondern in einem ganz natürlichen Prozess, der einfach zum Leben und zum Frausein dazu gehören kann. Ein trauriger und schmerzlicher Prozess. Ein Prozess, an dem wir wachsen werden.
Ich war schon immer fasziniert von der Intelligenz des Körpers, wenn es um Fortpflanzung, Schwangerschaft, Geburt und Stillen geht. All diese Vorgänge erfordern Zeit und Ruhe. So wie ich die Dinge einschätze, hat mein Körper eine Weile gebraucht um zu begreifen, dass es keinen Grund mehr gibt, das Baby zu versorgen, und nun braucht er noch mal eine Weile, um sich auf eine Ausstoßung vorzubereiten. Er wird sich gut vorbereiten, um sich selbst dabei bestmöglich zu schützen und den Blutverlust gering zu halten. Er ist ja auf Selbsterhaltung programmiert und auf weitere Fortpflanzung. Ich merke, wie sich mein Hormonhaushalt langsam verändert. In einem guten und natürlichem Tempo. Ein Tempo, das mein Körper selbst wählt und nicht durch einen künstlichen Eingriff von außen gezwungen wird. Da ist es doch im Grunde nur logisch, dass es unter Umständen eben ein wochenlanger Prozess sein kann. Ein langer Prozess vielleicht, aber doch ein guter.
2. Januar
Ein Satz unserer einfühlsamen (oben erwähnten) Ärztin schwirrt mir heute den ganzen Tag durch den Kopf: „Sie wissen schon, dass wir uns nicht mehr im 18. Jahrhundert
befinden. Früher sind die Frauen eben an solchen Dingen gestorben." (Sind sie das? So sehr ich auch suche, ich finde keine Berichte über die Sterblichkeitsrate bei Müttern durch ihre toten Kinder. Aber Tod und Angst sind ja immer erstmal ein gutes Argument, um lästige Diskussionen zu beenden.)
Vor sieben Jahren saß ich schwanger, breitbeinig und halbnackt einem anderen Gynäkologen gegenüber, während er mich beiläufig fragte, in welchem Krankenhaus ich vorhätte zu entbinden. Nicht ahnend, in welches Minenfeld ich mich damit begab, antwortete ich wahrheitsgemäß: „Kein Krankenhaus. Wir haben eine Hausgeburtshebamme und werden zu Hause unser Baby bekommen". Ohne es zu wollen, hatte ich mit dieser Antwort wohl seinen ganz persönlichen wunden Punkt getroffen. Ich hatte schlicht und einfach seine Frage beantwortet, nicht etwa nach seiner Meinung gefragt und doch kam ich nun nicht umhin mir diese anhören zu dürfen: „… da arbeiten Ärzte Jahre lang hart, um Frauen eine ungefährliche Geburt zu ermöglichen und dann kommen Frauen wie sie daher und meinen, ihre Babys wieder wie vor 100 Jahren zu Hause bekommen zu müssen. Im Grunde sollte man(n) solchen Frauen gleich das Sorgerecht für ihre Kinder entziehen, so wie sie ihre eigenen Kinder in Gefahr bringen …" Ich muss wohl nicht erwähnen, dass dies mein letzter Besuch in dieser Praxis war.
Ja, wir sind im  Jahr 2012 angekommen. Dessen bin ich mir bewusst und ich bin mehr als dankbar dafür, wenn ich mir anhöre wie wenig Menschlichkeit noch vor 40 Jahren auf den Geburtsstationen vorherrschte. Ich bin dankbar dafür, dass Frauen ihre Kinder nicht mehr während der Feldarbeit bekommen müssen und dass es Gesetze gibt, die Mutter und Kind schützen. Ich bin dankbar für die Erkenntnis, dass Schmutz und Eiter in großem Maße Schuld tragen am Tod durch Kindbettfieber. Ich bin froh, dass Mütter ihre Fähigkeit zu stillen wieder entdecken.
Ich bin dankbar für lebensrettende Medizin, wann immer sie sinnvoll eingesetzt wird. Aber auch im 21. Jahrhundert bin ich nicht bereit, Geburt als etwas „gefährliches" zu betrachten. Für mich ist und bleibt Geburt „natürlich" und vor allem das Intensivste und Bereichernste, was eine Frau erleben kann. Nie hat mich etwas stolzer sein lassen, nie hat mich etwas mehr Frau werden lassen, nie hat mich etwas wissender gemacht, als die Geburt meiner Kinder.
Geburt hat für mich nichts mit einer Wissenschaft zu tun, aber ab dem 18. Jahrhundert wurde sie das. Auf einmal waren Männer der Meinung in die Welt der Frauen eindringen zu müssen. Accouchirhäuser entstanden, Gebärende wurden zum Studienobjekt, Geburt zu etwas, das kontrolliert werden muss.
1732 wurde in England der erste nachweisliche Versuch unternommen, eine Schwangerschaft mittels "curette" zu beenden. Doch hat erst der Franzose RECAMIER die Küretten wirklich ins Fach eingeführt.
Die Methode wurde von der Fachwelt als "roh" eingestuft und fand nur sehr schleppend Eingang in das diagnostische Arsenal der Ärzte (Auszug: Medizinhistorisches Museum).
In den 70gern erreicht die Methode der Ausschabung dann in Deutschland ihren Höhepunkt. Bleibt die Frage offen, bei welchem Stand wir uns heute befinden. Im Jahre 2012.
4. Januar
In meinem Traum heute Nacht stand ich in einer wunderschönen Schneelandschaft und habe geblutet. Mein Blut fiel auf den weißen Schnee. Sauberes, warmes, rotes Blut auf weißen, unberührten Schnee. Und während ich so da stand, durchströmte mich ein unendlicher Frieden. Ich wusste, dass alles gut werden würde. Dass mir nichts passieren wird. Dass ich nicht verbluten werde. Dass ich keine Angst vor Schmerzen haben muss. Und dass in diesem Abschied ein neuer wunderschöner Anfang liegen wird.
5. Januar
Quelle: ZEIT ONLINE
Wenn aus der Geburt eine High-Tech-Operation wird
Bei fast 90 Prozent aller Geburten in der Klinik greifen Ärzte ein. Nicht immer ist das nötig, sagen Hebammen. Und es schadet dem Selbstbewusstsein der Mütter ... Weit unter zehn Prozent der Frauen in Deutschland bringen ihre Kinder ohne medizinische Eingriffe zur Welt. Zu diesem Ergebnis kam Clarissa Schwarz, Professorin für Hebammenkunde an der Hochschule für Gesundheit in Bochum nach der Auswertung eines Forschungsprojekts schon im Jahr 2004. "Damals waren es 6,7 Prozent. Man kann davon ausgehen, dass die Zahlen heute noch geringer sind", sagt sie ... Ohnehin würden Schwangerschaft und Geburt heute überwiegend als etwas Pathologisches gesehen und entsprechend behandelt ... Der Mutterpass enthält heute 52 Befunde, die angekreuzt werden können. Hiernach wird entschieden und dokumentiert, ob eine Risikoschwangerschaft vorliegt. Diese Befunde sind allerdings nicht gewichtet, so dass die Frauen nicht wissen, wie aussagekräftig dieses Risiko für sie wirklich ist", sagt Claudia Hellmers. "1968 waren es noch 12. Und wenn man die Frauen damit verunsichert, werden sie ihre Schwangerschaft fast zwangsläufig als etwas Problematisches empfinden und sich zum vermeintlichen Wohl des Kindes auch zu Eingriffen überreden lassen, die sie so eigentlich gar nicht wollen ... Das Risiko ist im Kreißsaal inzwischen etwas ganz Normales. Bislang fehlen Studien darüber, wie stark die negativen Geburtserfahrungen sich auf die Mutter-Kind-Bindung auswirken oder Wochenbettdepressionen verstärken können. "Aber die Erfahrungen zeigen, dass es für die Frauen Langzeitfolgen hat, wenn die Geburt anders verläuft, als sie es sich gewünscht haben ... von Susanne Kailitz, 07.04.2011.
Wären wirklich nur ein paar Prozent aller Frauen in der Lage ihre Kinder ohne die Mediziner zu bekommen, dann frage ich mich, wie die Menschheit überhaupt Jahrhunderte bestehen könnte. Hätte wir dann nicht aussterben müssen?
6. Januar
„Immer wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her."
Ein sehr alter und vielleicht etwas abgerissener Spruch, aber ein sehr wahrer.
Heute früh habe ich einen Frauenarzt angerufen, da meine Hebamme nun in Ferien ist und ich jemanden brauche, der mir die Rhesus-Spritze gibt, wenn sich was tut. Außerdem finde ich es sinnvoll noch mal einen Kontrollultraschall zu machen und die HCG-Werte im Blut messen zu lassen. Wie gesagt, ich habe ja nicht vor mich unnötig in Gefahr zu bringen.
Ich habe der netten Dame am anderen Ende der Leitung kurz die Lage umrissen und sie war völlig entsetzt. So etwas hätte sie noch nie gehört und so etwas wäre in ihrer Praxis auch nicht möglich. Sie würde mir raten die Klinik aufzusuchen. Ich habe ihr meinen Stand der Dinge erklärt. Freundlich, aber doch sehr klar, und sie hat mir wirklich zugehört. Und am Ende habe ich ihr immerhin die Nummer einer anderen Frauenärztin entlockt, bei der ich evtl. mehr Erfolg haben könnte. In ihrer Praxis gäbe es eben auch nur die Therapie der Ausschabung unter Vollnarkose. Zum Abschied hat sie sich bei mir dafür entschuldigt, dass sie vor lauter Staunen ganz vergessen hatte mir ihr Beileid auszudrücken über meinen Verlust. Sie hat mir von ganzem Herzen alles Gute gewünscht und mir gesagt, wie mutig sie im Grunde ihres Herzens meinen Weg findet.
Das hat mich sehr berührt. Auch wenn diese Praxis wohl nicht die richtige für mich ist, war da doch Wärme und Menschlichkeit zu spüren.
Mein zweites Telefonat war dann etwas erfolgreicher, wenn ich auch hier nicht unbedingt offene Türen eingerannt habe, aber immerhin habe ich für Montag einen Termin bekommen.
Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass solche Gespräche mich unberührt lassen. Ich würde mir selbst etwas vormachen, wenn ich sage, ich habe nie Angst. Das alles ist nicht unbedingt das, was ich als Spaziergang am Meer beschreiben würde. Für einen kurzen Moment dachte ich heute sogar: was sollen all die Diskussionen, lass die Ausschabung über dich ergehen und dann ist es eben vorbei. Aber es wäre nicht vorbei. Ich würde mich immer wieder fragen, ob mein Körper es nicht doch hätte schaffen können. Vielleicht würde ich sogar beginnen an mir selbst zu zweifeln, ja sogar an meiner Arbeit …
Das wunderbare in den letzten Wochen war, dass immer, wenn ich das Gefühl hatte den Boden unter den Füßen zu verlieren, Dinge passiert sind, die mir wieder Mut gemacht haben.
Heute passierte das in Form zweier Mails, die mich erreicht haben.
Die erste kam von einer lieben Doula, die selbst ihr kleines, totes Babys zu Hause geboren hat. Sie schrieb mir: "… auch wenn ich schon wieder erst jetzt schreibe, ich bin in Gedanken ganz nah bei dir/euch. Wir haben zu Silvester hier in der Runde mit auf dein Schmetterlingskind angestoßen: möge es seine Flügel sanft und weit breiten und gen Sonne streben … Erst gerade habe ich in Vorbereitung auf einen Kurs Worte einer Ärztin gelesen: „es ist eine Zeit des Abschieds, den Körper und Seele vereint meistern müssen. Dafür brauchen sie Zeit. Gib ihnen die Zeit, denn dein Körper kennt den Weg …"
Die zweite Mail kam von einer alten Freundin: "… Ich bin stolz auf dich. Das du dieses Thema so offen ansprichst und deine Gefühle und Ängste mit uns Frauen teilst, denn jede Frau, die schwanger war, kennt die Angst, ihr Kind zu verlieren.
Auch die, die das selbst erlebt haben, sprechen nicht drüber. Vielleicht, weil sie nicht die Kraft und nicht den Mut hatten Ärzten zu widersprechen und nach Alternativen zu suchen ..."
Oft denke ich, ich bin soweit. Ich kann mein Kind loslassen. Es ist alles gesagt und geschrieben, auch das "Lebe wohl". Doch wenn ich dann am Abend auf den Tag zurückblicke, wird mir klar, dass genau dieser Tag so sein musste, wie er war. Das all diese Gefühle noch gefühlt werden mussten und all diese Worte noch geschrieben werden wollten.
7. Januar
Ich hatte heute eine erste, kleine und sehr leichte Schmierblutung. Hin und wieder spüre ich ein leichtes Ziehen, aber nichts besonders Kraftvolles. Es geht mir gut.
8. Januar
Wann immer meine Mama über meine eigene Geburt gesprochen hat oder die meiner Schwester, waren ihre Berichte positiv und stärkend.
Und so habe ich meine erste Tochter mit dem nötigen Urvertrauen und vielleicht auch einer gesunden Portion Naivität völlig unkompliziert und stressfrei geboren. Ich war mir einfach sicher, dass es schon irgendwie gehen wird und dass die Schmerzen nichts sind gegen die Relation dessen, was man am Ende bekommt.
Meine Mama hat neben uns Mädels auch noch drei Sternenkinder. Zwei gingen in den ersten Wochen wieder und eins im 6. Monat. Sie hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, doch wirklich intensiv drüber gesprochen haben wir erst vor kurzem darüber. Bei der Geburt wurde sie mit Valium zugedröhnt (so machte man das früher übrigens auch gerne mal bei Geburten von gesunden und lebenden Kinder), ihr Kind wurde später kurzer Hand „entsorgt" und sie hat es nie zu Gesicht bekommen. Nie erfahren, ob ein Junge oder ein Mädchen in ihrem Bauch Purzelbäume geschlagen hat. Sie hatte nie die Chance sich zu verabschieden oder gar ihr Kind Muttererde zurückzugeben. Die Ärzte und Schwestern wollten sie schützen vor unnötigen Schmerzen, vor dem unnötigen Anblick ihres Kindes. Und nachdem sie damit fertig waren sie zu schützen und sie körperlich wieder hergestellt war, schickte man sie nach Hause. Schutzlos!
9. Januar
Mit klopfendem Herzen, aber auch dem Wissen, dass mehr als eine Kerze für mich angezündet wurden, bin ich heute früh zum Arzt. Schon beim Betreten der Praxis habe ich ein gutes Gefühl. Wenig später steht mir eine sehr freundlich wirkende Ärztin gegenüber, die sich mit Ruhe die Kurzfassung meiner Geschichte anhört und schließlich meint: "OK, Sie wissen über alle Eventualitäten Bescheid und ich sehe keinen Grund, der dagegen spricht sie zu begleiten." Die Ultraschalluntersuchung bestätigte mein Gefühl zu 100%. Mein Körper hat die Versorgung des Kindes eingestellt. Die (intakte) Fruchthülle ist dabei sich von der Gebärmutter zu lösen. Der Prozess des Abgangs hat begonnen. Ich sehe noch ein letztes Mal auf den Monitor des Ultraschallgerätes und nehme ganz bewusst Abschied von diesem Bild. Wenn es sein soll, werde ich wieder schwanger werden. Der Schmerz hat sich in tiefen Frieden verwandelt. Und da ist noch ein Gefühl. Ich fühle mich stolz.
Frau Dr. G. rät mir dazu, den begonnen Prozess mit der oralen Einnahme zweier Cytotec (Misoprosto) zu beschleunigen. Auf meine Frage, was FÜR dieses wehenfördernde Mittel sprechen würde, erklärt sie mir, dass wir damit ein besseres Zeitfenster schaffen. Wahrschein könnte ich dann schon am Nachmittag wieder zu ihr in die Praxis kommen und hätte das Meiste hinter mir, bevor die Praxis schließt.
Die Tabletten sind mir bei weitem sympathischer als eine grundsätzliche Ausschabung. Aber ich verspüre nach wie vor nicht das Bedürfnis mich nach Öffnungszeiten oder Dienstplänen zu richten. Auch ist es mir unheimlich einen Prozess, der vielleicht noch Tage dauert, in nur vier oder fünf Stunden zu durchlaufen. Die Schmerzen wären bestimmt
schlimmer. Schon komisch, dass wir Menschen immer meinen die Dinge vorantreiben zu müssen. Wozu diese Eile? Jetzt habe ich so viele Tage mit Warten verbracht, da kommt es mir persönlich auf ein paar mehr oder weniger nicht an.
Ich nehme die Tabletten mit dem Versprechen entgegen, es mir noch mal zu überlegen. Für alle Fälle schreibt mir Frau Dr. G. ihre Handy-Nummer auf. Eine mehr als großzügige Geste, wie ich finde, und alles andere als selbstverständlich.
Zum Schluss bekomme ich noch den Tipp mich viel zu bewegen und zu stehen, solange es mein Kreislauf erlaubt, und vor allem reichlich zu trinken. Ein Rat, den ich gerne annehme.
Während ich schreibe, spüre ich, wie meine Gebärmutter arbeitet. Es fühlt sich an wie Tagebauchweh. Wie bei der Geburt meiner Kinder begrüße ich jede dieser Wellen freundlich und lade sie ein mutiger und kraftvoller zu werden.
Auf dem Herd köchelt eine Rindfleischsuppe.
Inzwischen ist es Abend geworden, in meiner Gebärmutter ist wieder Ruhe eingekehrt. Doch die Erfahrung der letzten Wochen hat mir gezeigt, dass mein Körper auch dann arbeitet, wenn es nicht den Anschein hat.
11. Januar
Heute habe ich mir bewusst Zeit genommen. Zeit und Ruhe um zum Bluten und so langsam kommt alles in Gang. Noch ist es nicht kraftvoller als bei meiner normalen Zyklusblutungen.
Seit gestern liegt dieser „Zauber" in der Luft. Ich kann ihn nur schwer beschreiben … ein wenig ist es, als wenn man durch eine verschneite Winterlandschaft wandern würde. Über allem liegen eine ganz besondere Stille und eine ganz eigene Schönheit.
Vielleicht hat dies Gefühl etwas mit der Hormonausschüttung zu tun, vielleicht kommt der Zauber von ganz woanders her.
Auch das kann ich nicht genau sagen, doch er hat immer etwas mit einem Übergang zu tun. Ganz gleich, ob es ein Kommen oder ein Gehen ist.
12. Januar
Die Blutung und die Kontraktionen werden kraftvoller. Die Gebärmutterschleimhaut geht ab. Alles arbeitet und löst sich. Mit dem Blut kommt auch noch mal die Traurigkeit, aber das ist okay. Sie müssen geweint werden, all die Tränen, die es eben braucht um loszulassen. Normalerweise wäre ich jetzt in der 14. Woche. Mein Baby wäre jetzt 10 cm groß, hätte richtige Fingernägel, hin und wieder Schluckauf und seine Geschlechtsorgane wären vollständig entwickelt.
Wärme, Musik, Bewegung und die Nähe meiner Kinder tun mir gut. Der Alltag geht weiter und doch erlebe ich mich selbst und meine Körperreaktionen sehr bewusst und erlaube mir Auszeiten zunehmen.
Mama hat eine kleine Hängekätzchenweide mitgebracht. Wir werden sie im Frühling raussetzen. Bei uns ist es Brauch die Plazenta unter einen Baum zu begraben.
13. Januar
Ich habe es geschafft!!
Der Ultraschall bestätigt es mir.
Alles ist raus, jetzt muss ich nur noch fertig bluten. Und in einer Woche noch ein allerletztes Mal zur Nachkontrolle.
Die Sprechstundenhilfe, von der ich die Rhesus-Spritze bekommen soll, gratuliert mir und fragt mich, während sie mir die Anti-D-Injektionen verpasst, dreimal, ob es noch geht, ob ich es aushalten kann. Ich muss lachen und bedanke mich bei ihr für diese Fürsorge. Spritzen haben mir noch nie viel ausgemacht, aber nie habe ich mir lieber in den Hintern
pieksen lassen als heute.
Zu ihr sage ich: „Es sieht so aus, als hätte ich gerade mehr geschafft, als mir nur eine OP zu ersparen. Was macht da das bisschen Brennen in meinem Hinterteil?"
„Ja", sagt sie, "da haben sie wirklich recht!" und wir müssen beide lachen.
Das Leben kann schon verrückt sein. Man kann lachen und Glück empfinden, auch wenn man am Ende einer Schwangerschaft mit leeren Händen da steht. Und während die einen dich ohne großes Mitgefühl mal eben in Vollnarkose legen wollen, begegnen dir andere, die sich darum sorgen, wie du einen kleinen Nadelstich verträgst.
20. Januar
Nachkontrolle beim Frauenarzt : Alles super.
Die Gebärmutter kehrt in ihre alte Form zurück. Keine Komplikationen.
Aber auch ohne Baby muss ich mir sehr bewusst darüber sein, dass ich mich im Wochenbett befinde. Körper und Seele brauchen nach wie vor Zeit, um sich zu regenerieren. Manchmal habe ich das Gefühl, ohne Baby, ohne stillen und ohne Oxytocin (Liebeshormon, das nicht nur die Mutter-Kindbindung fördert, sondern auch dafür sorgt, dass sich die Gebärmutter schnell zusammenzieht) braucht mein Körper einfach länger, aber er bekommt es hin.
24. Januar
Die erste gute Nachricht: Mein HCG-Wert (Human Chorion Gonadotropin, schwangerschaftserhaltendes Hormon) liegt bei 200. Das Ziel ist 0. Aber wenn man bedenkt, dass der Höchstwert einen Schwangeren bei 300.000 liegen kann, ist 200 ein super Zwischenergebnis. Und auch bei einer „normalen" Geburt braucht der Körper eine Weile um sich umzustellen.
Die zweite gute Nachricht: das heute war mein letzter Ultraschall!
1. Februar
Mein HCG ist bei 100.
23. Februar
Meine erste Periode war sehr stark. Meine Hormone fahren immer noch ein wenig Achterbahn, aber mein HCG liegt bei 5,8. Alles unter 10 bedeutet nicht mehr schwanger.
3. März
Mein kleines wunderbares Kind … es ist unglaublich, wie viel du durch dein kurzes Leben ins Schwingen gebracht hast.
17. Juli
Der errechnete Geburtstermin.
Ein Tag voll Lachen und Weinen. Voll Vermissen und Dankbarkeit, dir begegnet zu sein …
Ich habe vier Kinder … drei wandeln über das Gras und eins über die Wolken.







Der Schmetterling hat nicht Monate, sondern Momente und hat trotzdem Zeit genug.  
Tagore

Nachwort:
Du kennst deinen Körper am besten, vertrau ihm!!
Lasse ihm die Zeit, die er braucht. Nimm dir die Zeit, die du brauchst um dich zu verabschieden. Finde dein eigenes Tempo, deinen eigenen Weg. Hab den Mut Fragen zu stellen, solange, bis du Antworten bekommst, mit denen du gut leben kannst.  Handle nie unter Schock. Jede Frau hat in Deutschland das Recht auf Hebammenbegleitung, auch in Situationen wie dieser. Und auch Doulas begleiten Frauen überall auf der Welt zu allen Themen rund um die Geburt.
Ich würde mir einfach nur wünschen, dass Frauen wieder mehr selbst über ihren Körper bestimmen können. Dass sie wieder mehr mit sich und ihrer inneren Stimme verbunden sind.
Den Medizinern fällt es oft schwer zu vertrauen, weil sie diesen Prozess nicht unter "Kontrolle" haben können. Vieles ist auch einfach eine Frage des Zeitmanagements in der Hektik des Klinikalltags und natürlich spielen auch immer finanzielle Aspekte eine Rolle. Denn den Dingen ihren natürlichen Lauf zu lassen bedeutet für die Gynäkologen und das Klinikpersonal mehr Betreuung und Nachkontrolle … dafür fehlen meist die Zeit und das Personal.  Zudem lassen sich natürliche Geburten nun auch nicht gerade gewinn bringend abrechnen. Ärzte sind darauf geschult zu handeln, zu reagieren. Es fällt ihnen daher verständlicherweise oft schwer einfach nur „untätig" dazustehen. Nichtsdestotrotz machen sie ihren Job gut und ich habe großen Respekt vor ihrem Wissen und ihrem Einsatz. Ich würde mir von ihnen wünschen, dass sie Frauen in ihrem Schmerz und ihren Bedürfnissen ernst nehmen und sie nicht mit unnötigen Ängsten belasten.
Es ist wichtig, dass jede Frau ausführliche Informationen über ihre Möglichkeiten erhält, denn für sie sind all dies keine Routine und kein Alltag.
Und die Art und Weise, wie mit ihr umgegangen wird, trägt entscheidend dazu bei, wie sie ihren Verlust verarbeiten wird.
Eine Ausschabung kann durchaus unumgänglich sein, doch solange kein Fieber auftritt oder nach Gammel und Moder riechender Ausfluss entsteht, besteht meist kein Grund zu Eile.


Rituale
können etwas sehr Tröstendes, Stärkendes und vor allemauch Verbindendes in Zeiten des Übergangs und des Abschieds haben. Jede Erinnerung,jedes Gefühle, jeder Schmerz fördert seinen Raum und seine Beachtung und je offener wir uns dies zugestehen, je schneller wird die Seele Heilung finden….


Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung" (Hebräische Weisheit)


Hier einige Anregungen…


- Eine Erinnerungskiste oder ein Album basteln oder kaufen für Erinnerungsstücke (Mutterpass, Söckchen, Gedichte, Schwangerschaftstest, Briefe ...).
- Brief, Gedicht schreiben. Oder sprich/sprecht ganz einfach mit deinem/eurem Kind.
- Ein Bäumchen pflanzen.
- Segnung sprechen oder sprechen lassen.
- Kerze gestalten, anzünden.
- Gib/Gebt dein/eurer Kind mit einer kleinen Abschiedsfeier Muttererde zurück.
- Einen Ballon zum Himmel steigen lassen (vielleicht mit einem Brief oder einem Bild dran).
- Erinnerungsstücke begraben
- Skulptur gestalten, Stein bemalen, Bilderrahmen basteln.
- Namen geben.
- Räucherritual feiern.
- Duftlampe aufstellen. Vanille z. B. hat  etwas sehr Heilsames und Tröstliches.
- Ein Lied aussuchen
- Schmuckstück kaufen, „Erinnerungsschleife" gibt es z. B. unter
www.erinnerungsschleifen.de <http://www.erinnerungsschleifen.de/>.
- Gedenktag festlegen.
- Geburtsteller bestellen.
- Selbsthilfegruppe besuchen oder gründen.


Interessant zu wissen…
Fehlgeburt (Abort) Das frühzeitige Ende einer Schwangerschaft vor der 25. Woche, bei der das Kind mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm tot geboren wird.
Frühe Fehlgeburt (früher Abort) bis zur 12. SSW
Späte Fehlgeburt (später Abort) bis zur 25. SSW      
Das Kind wird nicht beim Standesamt eingetragen. Aber dies sollte Eltern nicht davon abhalten ihrem Kind einen Namen (Kosenamen bei nicht Bekanntsein des Geschlechts) zu geben.
Eine Fehlgeburt bedeutet nicht, dass die Mutter, einen Fehler gemacht hat. Sondern dass der Frau etwas fehlt, das eigentlich noch bei ihr sein sollte.
Vollständiger Abort Das Kind / die Frucht sowie Plazenta und Fruchthülle gehen gleichsam ab.
Verhaltener Abort Das Kind weist keine nachweisbaren Vitalitätszeichen auf. Kein Herzschlag mehr, keine Kindsbewegung, keine Weiterentwicklung im Wachstum. Und dennoch wird das Kind noch nicht von der Gebärmutter abgestoßen, der Muttermund ist verschlossen.
Unvollständiger Abort Hierbei wurde ein Teil der Schwangerschaft, meist ein Teil der Plazenta, nicht ausgestoßen.
Totgeburt Ein Kind, das über 500 g wiegt und vor bzw. bei der Geburt verstorben ist. Das Kind wird beim Standesamt registriert. Auf Wunsch kann das Kind auch ins Geburtenbuch eingetragen werden.











Nordfriedhof-Düsseldorf

Bestattung Eine Pflicht zur Bestattung besteht in Deutschland erst bei Kindern, ab einem Gewicht von 1000 g. Die Eltern können ihr Kind auf Wunsch aber auch dann bestatten lassen, wenn ihr Kind unter 1000 g wiegt. In Düsseldorf gibt es seit 2003 auf den Nordfriedhof ein Grabfeld für fehl- und totgeborene Kinder. Viermal jährlich gibt es dort die Möglichkeit einer kostenfreien Sammelbestattung mit gemeinsamer Trauerfeier. Familien haben hier auch die Möglichkeit, einen - selbst gestalteten - Kieselstein mit Namen des bestatteten Kindes niederzulegen.Unter www.muschel.net <http://www.muschel.net/> findet man eine Liste mit Gedenkstätten u Grabfelder in anderen Städten.Da der Umgang mit fehlgeborenen Kindern in den meisten Bundesländern rechtsfreier Raum ist, besteht auch die Möglichkeit, dass Sie Ihr Kind zu Hause im Garten bestatten, wenn Sie Ihr Kind von der Klink erhalten. Mit verstorbenen Kindern sollte immer sehr würdevoll umgegangen werden. Unabhängig von Größe und Gewicht!! Dies gibt den Eltern das Gefühl der Wertschätzung und Respekt ihrer Kinder gegenüber, denn für sie sind es keine Gewebeteile keine Zellen und auch kein Embryo gewesen, sondern immer ein Kind. Ihr Kind.


Wochenbett Als Wochenbett bezeichnet man die Zeitspanne vom Ende der Entbindung bis zur Rückbildung der schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen. Dies dauert in der Regel 6 bis 8 Wochen.
Auch wenn uns in unserer leistungsorientierten Welt Frauen wie Heidi Klum, oder Victoria Backham glauben machen wollen, dass Frau mal eben und ganz nebenbei ein Kind bekommt und danach gleich wieder zum Alltag übergehen kann, leistungsfähig und sexy wie eh und je, geht es auch hier wieder um ACHTSAMKEIT. Körper und Seele brauchen Zeit zu verarbeiten und zu heilen.
Ein Wochenbett ohne Baby ist eine besonders schmerzhafte Erfahrung. Viele Frauen verspüren den Drang schnellstmöglich wieder in den Alltag zurückzukommen. Oder sie haben das Gefühl kein Wochenbett verdient zu haben. Manche lässt die Trauer nicht zur Ruhe kommen. Papierkram und organisatorische Dinge wollen erledigt werden. Geschwisterkinder fordern ihre Aufmerksamkeit … und doch ist es gerade jetzt wichtig diese Zeit einfach bewusst zu erleben. In sich hineinzuspüren. Frieden zu schließen mit den Geschehnissen, mit dem eigenen Körper. Was geschieht da gerade in meinem Körper? Was brauche ich? Was tut mir gut. Was nimmt mir unnötig Kraft?


Für Familienangehörige, Freunde und Bekannte: Unterstützt und umsorgt die Frauen/Mütter in dieser Zeit. Ermöglicht ihnen eine erholsame Wochenbettzeit. Nehmt ihnen Hausarbeiten ab, bringt Essen vorbei, schenkt ihnen Blumen, massiert und verwöhnt sie. Auch dies ist eine Form der
Wertschätzung an Mutter und Kind und trägt zur Heilung von Körper und Seele bei. Ihr Körper hat Großes geleistet und viele Strapazen ertragen und sie wurden am Ende noch nicht mal entschädigt dafür.


Mutter - Schutz Auch nach einer Totgeburt hat eine Frau das Recht auf Mutterschutz. Nach einer Fehlgeburt besteht kein Anspruch auf Mutterschutz, doch die Frau sollte nicht zögern sich so lange krankschreiben zu lassen, wie sie zur Genesung von Körper und Seele braucht.
§ 6 MuSchG Beschäftigungsverbote nach der Entbindung
(1) Mütter dürfen bis zum Ablauf von acht Wochen, bei Früh- und Mehrlingsgeburten bis zum Ablauf von zwölf Wochen nach der Entbindung nicht beschäftigt werden …                                         Abs. 2 … Beim Tod ihres Kindes kann die Mutter auf ihr ausdrückliches Verlangen ausnahmsweise schon vor Ablauf dieser Fristen, aber noch nicht in den ersten zwei Wochen nach der Entbindung, wieder beschäftigt werden, wenn nach ärztlichem Zeugnis nichts dagegen spricht. Sie kann ihre Erklärung jederzeit widerrufen.


Anspruch auf Nachsorge?!! Auch bei Fehl- oder Totgeburten (Größe spielt dabei keine Rolle) hat jede Frau einen Anspruch auf Nachbetreuung durch eine Hebamme.


Warum?
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass 10 - 20 Prozent aller Schwangerschaften in einer Fehlgeburt vor der 20. Schwangerschaftswoche enden.
80 Prozent dieser Fehlgeburten passieren in den ersten 12 Schwangerschaftswochen.
Die wirkliche Rate an Fehlgeburten ist noch viel höher, da die meisten Fehlgeburten dann passieren, wenn die betroffenen Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind.
Eine Studie zeigte, dass insgesamt 31Prozent aller angelegten Schwangerschaften in eine Fehlgeburt münden.
Aber 90 Prozent der Frauen werden danach problemlos wieder schwanger!!


Eventuelle Auslöser für eine Fehlgeburt:


- Hormonunregelmäßigkeiten, Schildrüsenfehlfunktion
- Defektes Erbgut
- Blutgruppenunverträglichkeit
- Röntgenstrahlen
- Medikamente
- Rauchen
- Alkohol
- Hohes Fieber
- Trauma (körperlich - stumpfer Schlag in die Bauchgegend)
- Trauma (seelisch - belastende Situationen, Streit, Verlust, aber auch vorangegangene traumatische Geburtserfahrung)
- Koffein
- Umweltgifte
- Drogen


Ich habe eine Freundin, die ihr erstes Kind in der 12. Woche verabschieden musste. Sie hatte zu dieser Zeit einen großen Heißhunger auf Lakritz und konnte danach in ihren weiteren Schwangerschaften nie wieder Lakritz essen. Aus Angst, es gäbe eine Verbindung zwischen Lakritz und ihrem Verlust.
Auch wenn Lakritz den Blutdruck erhöhen kann und hoher Blutdruck in einer Schwangerschaft immer im Auge behalten werden sollte, bin ich mir sicher, dass weder meine Freundin noch die Lakritz-Industrie Schuld tragen an dem, was geschehen ist.
Es gibt einige Regeln, derer wir uns in einer Schwangerschaft immer bewusst sein sollten. Rauchen, Alkohl u Drogen sind ein klares NO GO….Aber sollte es uns, aus welchen Gründen auch immer, nicht gleich gelingen eine vorzeige Schwangere zu sein, macht es uns nicht zu schlechten Müttern und schon gar nicht zu Mördern. Wie oft überleben Kinder auch stark belastete Schwangerschaften.
Es ist möglich dass einer dieser oben aufgezählten Faktoren den Prozess einer Fehlgeburt beschleunigen kann, aber vielleicht hätte dieser Prozess ohnehin stattgefunden hätte.


Bin ich schuld am Tod meines Kindes?   
Ich glaube, jede Frau wird auf der Suche nach dem WARUM an einen Punkt geraten, wo sie sich selbst diese Frage stellt.
Die Antwort lautet  NEIN!!!
Aber auch ich habe in so manch stiller Nacht Stunden damit zugebracht jeden einzelnen Moment meiner Schwangerschaft zu rekonstruieren. Auf der Suche nach Fehlern und Abweichungen … Was habe ich gegessen? Hätte ich noch mehr Vitamiene nehmen müssen? Habe ich mit meinen andern Kindern zu dolle getobt? Waren vielleicht das Glas Cola oder die Haartönung zu viel? Hätte ich mehr Ruhe gebraucht? Habe ich mich nicht genug gefreut auf dieses Kind. Hätte ich mein Kind noch mehr lieben müssen? Was war anders als bei meinen anderen Schwangerschaften? Habe ich mein Glück überstrapaziert nach drei gesunden Kindern? Hätte ich etwas merken müssen? Etwas tun können? Mein Kind besser beschützen können...
Ich denke, es ist wichtig sich all diesen Gedanken zu stellen und sie zu durchleben. Sie gehören einfach dazu und sind Teil des Trauerprozess. Wichtig ist nur, dass wir uns auch wieder von ihnen lösen.  Wir haben nicht immer Einfluss auf die Dinge die passieren.
Oft gibt es auch keine medizinische oder wissenschaftliche  Erklärung.
Manchmal waren unsere Kinder auch einfach noch nicht so weit und haben sich entschieden wieder zu gehen. Vielleicht brauchten sie nur diese kurze Zeit der Liebe und des Willkommenseins bei uns.
Jedes Kind, das uns zu früh verlässt, hinterlässt immer eine Botschaft. Eine ganz persönliche Nachricht an uns. Manchmal ist es Wegbereiter für seine noch kommenden Geschwister. Manchmal zeigt es auf, woran es noch zu arbeiten gilt.
Manchmal lehrt es uns auch einfach, Vertrauen zu haben in den Lauf des Lebens, in uns selbst.
Wir müssen achtsam sein, um die Nachricht zu erkennen und manchmal auch geduldig.
Es ist ganz wichtig sich Zeit zu nehmen. Den Frauen Zeit zu lassen vor einer Ausschabung. Einen zweiten und dritten und wenn nötig auch vierten Ultraschall durchzuführen, damit die Frau sich später nie fragen muss: „Habe ich voreilig gehandelt? Hätten wir noch etwas tun können für unser Kind?"


Phasen der Trauer
Trauer spüren wir immer dann, wenn wir einen Verlust erleiden. Das Gefühl der Trauer kann unterschiedlich stark empfunden werden. Aber dennoch ähneln sich Prozesse der Trauer und müssen Stück für Stück durchlebt werden, bis die Seele sich erholt und regeneriert hat.


1. Phase: Schock
nicht wahrhaben wollen, noch nicht angekommen sein in der Situation, Gefühlsausbrüche, man funktionier, ist nicht in der Lage Entscheidungen zu treffen. Alle Gefühle sind noch gedämpft.
Dauer: Stunden, Tage ,Wochen


2. Phase: Emotionen brechen auf
Wut, Trauer, Angst, Schmerz, Zorn, Verzweiflung, Sehnsucht, verhandeln, und Schlafstörung, Unruhe - Kampf mit der eigenen Selbstbeherrschung und die Suche nach dem Sinn beginnt. Ein Wechselbad der Gefühle. Die Realität  erfasst den Betroffenen mit voller Wucht.
Dauer:  ca. 4-6 Wochen


3. Phase: Ergeben ins Schicksal,
Die Trauerarbeit geht in eine tiefere Ebene. Alte Werte werden Hinterfrag, neue gesucht.
Die Erinnerungen holen den Betroffenen immer wieder ein, aber er beginnt sie langsam an zu nehmen.
Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Depressionen, Kraftlosigkeit, Unkonzentriertheit oder  Alpträume weisen auf noch unverarbeitete Gefühle hin und sollten ernst genommen werden.
Dauer: ca. 6 Monate - 1 Jahr


4. Phase: Rückkehr in einen neuen Lebensabschnitt
Seele und Körper haben ihr Gleichgewicht wieder gefunden.
Der Verlust wird langsam ins Leben integriert. Neuer Lebensmut. Die Sinnfindung ist abgeschlossen. Die Hoffnung kehrt zurück.


Wann darf ich wieder schwanger werden?
Ärzte raten oft nach einer Fehlgeburt, drei Monate mit einer neuen Schwangerschaft zu warten.
Eine feste Regel gibt es aber nicht…Körper und Seele arbeiten im Einklang und erst wenn beide dazu bereit sind, wird sich ein neues Leben einnisten.


Umgang mit der Trauer und dem Trauernden
Jeder Mensch verfügt über seine eigene ganz individuelle Heil- und Verarbeitungsfähigkeit  von Trauer und wird diese immer in seinem ganz eigenen Tempo bewältigen. Es liegt nicht an anderen, das Ziel oder das Tempo der Reise zu bestimmen.
Wir können Niemandem sein Schicksal oder seinen Schmerz abnehmen. Wir können auch keinen Ersatz bieten, doch wir können immer Kraft gegeben. Kraft, die hilft das eigene „Päckchen" zu tragen. Wir können aber auch bewusst oder unbewusst durch unser Handeln bzw. unser Nicht-Handeln das Gewicht des „Päckchens" erhöhen, dessen sollten wir uns bewusst sein. Es ist nicht möglich einem anderen Menschen zu begegnen ohne in Kommunikation mit ihm zu treten. Wir können ihn stärken, ihn wärmen, ihn sich verstanden fühlen lassen, aber auch ihn unbeachtet lassen, ihn sogar verletzen … alles in nur wenigen Augenblicken und sogar oft schon ohne ein einziges Wort. Kaum einer wird es schaffen Themen wie Trauer und Tod seine Leben lang zu umschiffen, warum versuchen wir also nicht gleich ganz offensiv damit umgehen. Vielleicht entdecken wir sogar verborgene Schätze.
In unserer Gesellschaft haben wir leider den Umgang mit den eigentlich doch ganz natürlichen Übergängen verlernt. Weit mehr als 90% aller Frauen in Deutschland bringen Ihre Kinder mittels medizinischer Eingriffe zur Welt. Jedes dritte Kind wird per Kaiserschnitt geboren. Kaum ein Arzt auf der Geburtstation hat je erlebt wie natürliche, friedvolle und unkompliziert eine Geburt sein kann. Und wer darf heute schon in Ruhe, mit Würde, im Kreis der Familie und ohne medizinische Interventionen sterben? Menschen werden kaum noch zu Hause geboren und sie sterben ebenso selten dort. Bei einer Fehlgeburt treffen nun Geburt und Tod unmittelbar aufeinander. Gleich eine doppelte Misere.
Als Kind sind wir völlig frei, unbekümmert und voller Neugier, allen Facetten des Lebens gegenüber aufgeschlossen.
Dennoch meinen wir Erwachsenen oft  unsere Kinder „beschützen" zu müssen. Wir schließen das Sterben einfach aus unserem Leben aus, als könnten wir so vor unserem eigenen Tod bewart werden. Bis das Thema uns einholt und wir gezwungen werden hinzusehen - unvorbereitet, verlegen  und hilflos.
Viele Rituale im Umgang mit Tod und Trauer sind verlorengegangen.  Floskeln wie „Herzliches Beileid" gehen uns schwer über die Lippen. Wir sollen und wollen Halt geben und fühlen uns selbst gerade doch haltlos, können es selbst  kaum aushalten. Ein ungenehmes Gefühl. Aber geben wir uns doch einen Ruck! Es geht nicht darum die perfekten Worte zu finden. Es wird eh keine Worte geben, die alles ungeschehen machen. Seien wir einfach ehrlich und geben zu, dass wir hilflos sind. Oder uns ohnmächtig - ohne Macht fühlen, denn dann sind wir ganz nah dran an dem was der Trauernde fühlt.
Vielleicht kommt ein „es tut mir leid" oder „wie geht es dir" uns banal vor, aber dennoch schaffen wir damit einen Raum und es steht dem anderen frei ihn zu betreten, wenn ihm danach ist.
Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Doch Sie lehrt uns mit ihnen zu leben. Vergessen werden diese Kinder nie sein, es macht also keinen Sinn uns zu ermutigen, dass wir vergessen sollen. Erinnert euch lieber mit uns gemeinsam an unser Kind, auch in den kommenden Jahren.

Liebes Klinikpersonal, liebe Ärzte,Hebammen und Wegbegleiter!
Um ein Kind zu empfangen und um es zu gebären, muss eine Frau sich ganz öffnen. Nie sind wir schutzloser in unseren Empfindungen und Gefühlen als zu dieser Zeit.
Manchmal kann sich schon ein kleines achtloses Wort tief in unsere Seele einbrennen.
Für die meisten Frauen ist der Verlust eines Kindes (auch zu einem sehr frühen Zeitpunkt) ein einschneidendes Erlebnis. Die Seele des Kindes war ja bereits da. Mutter und Kind wollten gemeinsam wachsen und sind auch miteinander verwachsen. Oft schon vor dem positivem Schwangerschaftstest.
Bitte vergesst das nie!


Hier einige Aussagen von betroffenen Frauen:


„Ich war wie paralysiert."


„Gott sei Dank gab es in der Zeit auch Super-Freunde, die mir nicht nur mit Worten beistanden."


„Das Schlimmste waren die Sprüche von anderen (meist von meinen Arbeitskollegen) … Was ich mich denn so anstelle, so richtig habe "dies" doch noch gar nicht gelebt."


„Ich war unendlich traurig. Gott sei Dank habe ich jetzt einen süßen Sohn, aber ich werde  mein erstes Kind nie vergessen. Auch wenn ich noch nicht im dritten Monat war, für mich war es "mein Baby", egal, was andere sagen."




„Den ganzen Heimweg hab ich nur geweint und mich hilflos gefühlt wie ein kleines Kind."


"Am nächsten Tag gab es die Narkose und als ich wieder wach wurde, hab ich mich völlig leer gefühlt.
Nach vier Stunden wurde ich wieder entlassen, ohne dass auch nur ein Arzt oder eine Schwester ein Wort des Mitgefühls gesagt hatten."


"Auch heute denk ich nach über acht Jahren noch viel an mein Sternchen und hoffe, dass es ihm gutgeht."


„Ich hatte eine vergleichsweise "harmlose" Fehlgeburt. Hatte nur Blutungen ohne Ausschabung. Was mir am meisten gefehlt hat, war Verständnis."


„Von dem Frauenarzt bekam ich den tollen Satz zu hören: „Sie sind doch noch sooo jung, sie können noch etliche Kinder bekommen." Als ob je ein Kind fähig wäre ein anderes zu ersetzen."


„Meine Mutter sagte nur: Ach, da war doch eh noch nichts."


„Mehr Verständnis wäre echt toll gewesen. So musste ich es für mich alleine ausmachen. Mein Mann kann schlecht über Gefühle sprechen, also fiel der auch flach als Gesprächspartner."


„Das schlimmste für mich im Krankhaus waren die Einsamkeit und die Angst."


"Mein Mann hat mich getröstet, aber verstanden hat er das ganze nicht wirklich. Für ihn existiert das Kind irgendwie nicht."


"Wir wissen auch gar nicht, wo es nach der AS geblieben ist."




„Der Gynäkologe stellte in sehr sachlichem Ton fest: "Da ist kein Herzschlag mehr, lassen sie sich bitte von der Schwester eine Überweisung zur Ausschabung geben." Ich hab mich wie betäubt angezogen und getan, was er mir sagte."


„Es ging mir noch nie beschissener als an dem Tag. Ich habe nur geweint."


„Ich hatte dann Wehen, weil sie eingeleitet wurden um das tote Kind zu gebären und ich hatte ganz starke Schmerzen. Ich war stundenlang im Zimmer ganz alleine. Zwei Minuten vor der Geburt kam die Schwester zufällig mit einer Schale herein und nahm es in Empfang. Es war absolut grausam so allein zu sein.
Es hätte mich doch jemand begleiten müssen?!?"


„Es ist auch sehr hilfreich, mal über die Trauer zu reden und sich auszutauschen. Dann stellt man fest, man ist gar nicht so allein, wie man sich fühlt."


„Der Chef meines Mannes hat ihm einen Tag Urlaub geschenkt, damit er bei mir sein kann. Dadurch habe ich mich wertgeschätzt gefühlt und ernst genommen in meiner Trauer."


„ Es ging mir dabei beschissen, ich dachte nur, warum gerade ich?"




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